Podiumsdiskussion mit Sozialministerin Dr. Reimann zur Situation von Stomaträgern

Moderatorin Jennifer Haacke, Dr. Wiegel, Behindertenbeirat Braunschweig, Dr. Reimann, Nds. Gesundheitsministerin, Stephan Lemke, Stadthalle Braunschweig, Dr. Köhler, HEH, Carsten Gebhardt, Stoma-Selbsthilfegruppe

Im Darmkrebszentrum des Herzogin-Elisabeth-Hospitals fand am  13. Juni 2018 auf Initiative von Carsten Gebhardt, Stoma-Selbsthilfegruppe Braunschweig – Die Kängurufreunde, eine Podiumsdiskussion statt, um die Situation von Stomaträgern bei Kulturveranstaltungen und in Schwimmbädern zu erörtern.

Weitere Teilnehmer auf dem hochkarätig besetztem Podium waren Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Stephan Lemke, Geschäftsführer der Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH, Dr. Burkhard Wiegel, 1. Vorsitzender des Behindertenbeirats der Stadt Braunschweig, und Dr. Hinrich Köhler, Chefarzt der Chirurgischen Klinik und Stellvertretender Leiter des Darmkrebszentrums des HEH.

Zur Erklärung: Ein Stoma meint einen künstlichen Darm- oder Harnausgang. Daher haben Stomaträger stets verschiedene Versorgungsmaterialien bei sich.

Carsten Gebhardt berichtete davon, dass Stomaträger bei kulturellen Veranstaltungen ihre Tasche mit der medizinischen Versorgung abgeben müssten. Diese Taschen übertreffen das zulässige Format von A4, um mit in die Veranstaltung genommen werden zu dürfen. Auch hörte er, dass Betroffene in Schwimmbädern abgewiesen würden mit der Begründung, sie könnten das Schwimmwasser verunreinigen.

In der anschließenden Gesprächsrunde tauschten sich die Gesprächsteilnehmer über ihre Erfahrungen und über Lösungsmöglichkeiten aus. Stephan Lemke weiß um die Wichtigkeit, das Personal bezüglich der Mitnahme medizinisch notwendiger Utensilien bei den Einlasskontrollen von Veranstaltungen zu schulen. Dass die Aufklärung über chronische Erkrankungen ein wichtiger Baustein ist, darüber sind sich sowohl die Politik, der Behindertenrat als auch die medizinischen Behandler einig. Dr. Hinrich Köhler ist darüber hinaus davon überzeugt, dass Menschen mit einem Stoma oder Urostoma sich selber pflegerisch gut versorgen. Trotzdem möchten Menschen mit körperlichen Erkrankungen gleichberechtigt behandelt werden, weiß Dr. Burkhard Wiegel zu berichten, und noch bestehende Vorurteile müssten weiter abgebaut werden. Dr. Carola Reimann weist auf die Umsetzungen der Inklusion hin, die sich in Niedersachsen in den letzten Jahren sehr intensiviert hat, und betont dabei, wie wichtig die Öffentlichkeitsarbeit zu so einem Thema wie das der Stomaträger ist.

Ein möglicher Lösungsansatz bei Veranstaltungen, so Stephan Lemke, könnten besondere Kontrollpunkte, sogenannte „Slow Lanes“ mit geschultem Fachpersonal sein. Dort würden in erster Linie Menschen mit größerem Handgepäck kontrolliert.

Carsten Gebhardt wiederum hat eine Art Nachweisschreiben entworfen, die bei Kontrollen vorgezeigt werden könnte, ähnlich wie der Gesundheitspass, den Diabetiker benutzen.

Carsten Gebhardt fasste anschließend zusammen: "Mein Anliegen ist es, über die Situation von Stomträgern aufzuklären, um Vorurteile und Benachteiligung zu verhindern. Ich wünsche mir, dass ich mit dieser Veranstaltung einen Beitrag dazu leisten konnte."

Update: Artikel in der Braunschweiger Zeitung vom 19.06.2018 zum Herunterladen
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