2. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Was ist nur mit dem Spatzen Paulchen los? Zuletzt hat er im Blumenbeet nach Würmern gekramt, ist mit wippendem Schwanz im Unterholz herumstolziert und erzählte jedem, er sei ein Rotkehlchen! Hans macht sich große Sorgen. Viel Spaß beim Lesen!

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 1 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

2. Teil

von Norbert Wiedemann

Hans blieb vor lauter Staunen der Schnabel offen. Du meine Güte! Ich muss da hin! Ich will wissen was passiert ist!

Als er am Lessingdenkmal ankam, bot sich ihm ein trauriges Bild! Sein alter Kumpel Paulchen im intensiven Gespräch mit einer Rotkehlchendame! Er führte sich auf wie ein Gimpel und war nicht wiederzuerkennen!

„Paulchen, hast du jetzt komplett den Verstand verloren? Heutemorgen dachte ich ja noch du macht einen Witz mit mir, aber jetzt glaube ich tatsächlich, dass du nicht mehr alle Tassen im Schrank hast," schrie Hans seinen Freund verzweifelt an. Völlig verständnislos stierte Paulchen seinen langjährigen Freund an und erwiderte: "Was steckst du dich denn in unsere Unterhaltung. Das ist ja wohl nicht zu glauben, einfach dazwischen zu quaken, wenn ich mich mit einer Dame unterhalte! Hau bloß ab und lass mich in Ruhe!"

Inzwischen hatte sich die Spatzenbande vom Kohlmarkt hinzugesellt und feixte was das Zeug hielt: „ Ha, ha, Paul das Rotkehlchen, der ist doch Balla- Balla. Wir haben ja schon immer gewusst, dass mit dem Dicken was nicht in Ordnung ist! Aber jetzt hat es ihn wohl komplett erwischt!"

Hans erkannte, dass er hier vorerst nichts ausrichten konnte und flog voller Verzweiflung und Angst um seinen Freund Paulchen davon.

Abends unter der Dachrinne war Hans noch lange wach und zerbrach sich über die Ereignisse des Tages den Kopf. „Was ist nur mit Paulchen geschehen, spinnt er tatsächlich, was geht in seinem Kopf vor?" Immer und immer wieder spulten sich diese Fragen in seinem kleinen Gehirn ab.

Hans war gerade etwas eingenickt. Als sich der letzte Bus in dieser Nacht von der Haltestelle entfernte, wurde er von einem vertrauten Geräusch wieder munter.

Paulchen war wieder da! Wie selbstverständlich kuschelte er sich an Hans und murmelte irgendetwas von: „Scharfer Braut, Rotkehlchen sind die besseren Vögel" und „Stell dich nicht so an, ich bin nun mal ein Rotkehlchen und bleibe es auch". Hans war erschrocken und zugleich aber auch wieder glücklich, dass sich sein Freund wieder eingefunden hatte.

Bevor es Hans vor schierer Erschöpfung kaum noch schaffte, seinen Kopf zwischen die Flügel zu stecken, stellte er so für sich fest:

„Mir ist es egal, was Paulchen meint zu sein und was die anderen denken. Wenn er dabei glücklich ist, soll er doch! Es gibt immer mal jemand, der anders ist, als die Anderen. Schwamm drüber, ich bleibe bei ihm und wenn er meine Hilfe benötigt, bin ich für ihn da. Vielleicht gibt es ja doch noch irgendjemand, der ihm helfen kann, denn normal ist das ja nun nicht. Na ja, mal sehen was morgen ist.

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