10. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Bild von Susanne Jutzeler, suju-foto, auf Pixabay

Paulchen, Hans und Jule haben sich an Silvester in das Braunschweiger Nachtleben gestürzt. Während Hans gerade auf Extratour gegangen ist, ist Jules Bruder Eddie aufgeregt bei Jule und Paulchen aufgeschlagen. Warum hat sich Hans auf seiner Extratour bloß mit einer Krähe angelegt?

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 9 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

10. Teil

von Norbert Wiedemann

Heilig Abend und Silvester, 2. Teil

Eilig sausten Jule und Paulchen hinter Eddi her, landeten in einer Hecke nahe der Garage und sahen sich das Schauspiel erst einmal aus sicherer Entfernung an. Hans und die Krähe standen sich vor der Garage gegenüber und etwa 30 Spatzen der Nußbergbande im Kreis herum.

"Was willst'n hier", krächzte die Krähe, "hau ab, das ist hier mein Revier!"

"Wenn du meinst, du kannst den dicken Max markieren", piepste Hans die dicke Krähe Schnabel an Schnabel frech an, dann mach das woanders, aber nicht hier! Wir wollen mitfeiern, also verzieh dich, du fliegende Lakritze du!"

Die Nußbergspatzen hüpften ein wenig näher und zogen den Kreis enger um die beiden Streithähne.

"Heute wird gefeiert, und wenn dir das nicht passt, dann sieh zu, dass du wieder auf deinen Stammplatz kommst!" schlug Hans der verdutzten Krähe den nächsten Satz um die Ohren.

"Welchen Stammplatz meinst du denn?", fragte die Krähe verwirrt nach.

"Na, wie du aussiehst, hockst du doch die meiste Zeit bei einer Hexe auf der Schulter und Hexen wohnen nun mal auf dem Brocken!", gab Hans zur Antwort und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Nußbergbande höhnte mit und lachte sich über die Sprüche von dem frechen Spatzen aus der Innenstadt krumm und lahm.

Eddi hielt sich den Bauch vor Lachen und hatte Mühe, nicht von seinem Zweig zu fallen.

"Kraaah, Kraah, blödes Volk! Wartet man, bis ich einen von euch alleine erwische, dann lacht ihr nicht mehr!" Die beleidigte Krähe sah wohl ein, dass sie heute nichts mehr ausrichten konnte und hob ärgerlich ab. Zu allem Übel, aber zur großen Freude der versammelten Spatzen musste sie noch einigen, gerade entzündeten Raketen im Schlenkerflug ausweichen und wäre beinahe gegen einen Lautsprecher geknallt.

"Guckt mal, schrie Paulchen begeistert, "die fliegt sogar im Walzertakt weg!"

Es wurde eine wunderbare Silvesternacht für unsere kleinen Spatzenfreunde. Eddi zeigte ihnen noch die besten Plätze, um eine Mahlzeit einzunehmen. Bei solch einer Menschenansammlung fiel immer mal was runter und ein Becher mit Sekt oder ein kleines Bierchen lag umgekippt da. Es war ein riesiger Spaß für alle. Sie feierten bis ins Neue Jahr hinein. Allerdings hatten unsere Drei beim Heimflug etwas Orientierungsprobleme und mit der vorgeschriebenen Flughöhe für Spatzen über Braunschweig klappte es auch nicht mehr so richtig. Aber letzten Endes saßen sie zusammengekuschelt unter ihrer Dachrinne am Altstadtmarkt als die Uhr der Martinikirche 3x schlug.

"Na das war aber mal ein schöner Jahresausklang", krächzte Paulchen mit etwas schwerer Zunge, "und was machen wir morgen?" Jule und Hans zogen verwundert ihre Köpfe aus den Flügeln. Jule klapperte einen Moment mit den Augen. "Morgen ist heute und heute wird mal ausgeschlafen. Danach machen wir das Neujahrsfrühstücksspiel."

Hans und Paulchen sahen sich fragend an. "Ihr braucht gar nicht so dusselig dreinschauen. Das Spiel geht so:

Zuerst wird festgestellt, ob alle noch einen dicken Kopf von Silvester haben, und wer in der kürzesten Zeit 25 Frühstückskörner vom Altstadtmarkt aufpicken kann, ohne Kopfschmerzen zu haben, der hat gewonnen."

"Das find ich doof", krähte Paulchen laut, "ich will weiter Party machen!"

"Jetzt erst mal nicht", setzte Jule energisch dagegen, "dazu ist in der kommenden Karnevalszeit noch genug Gelegenheit!"

"Karneval, ach ja! Kommt ja auch noch", mischte sich Hans etwas schläfrig in das Gespräch ein. "Das ist ja mit Verkleiden und so." Er steckte seinen Kopf wieder zwischen die Flügel und meinte gähnend: "Dann kann ich ja mal als Rotkehlchen gehen!


Zeichnung von Norbert Wiedemann

Liebe Fans von Radio manowie,

das waren die kleinen Geschichten von Hans und Paulchen mit großer Wirkung. Sie haben Euch hoffentlich beim Lesen ebenso viel Freude bereitet wie mir beim Schreiben. Wie bei allen Liveveranstaltungen meine ich Zurufe wie: "Zugabe, Zugabe" gehört zu haben. Na gut, eine habe ich noch. Am nächsten Freitag für Euch exklusiv: "Jule, Hans und Paulchen machen einen Ausflug".

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