3. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Ist dem Spatzen Paulchen noch zu helfen? Er bereitet seinen Freunden mit seinem ungewöhnlichen Verhalten große Sorgen. Hans begibt sich auf die Suche nach Frau Meier, die vielleicht einen Rat weiß. Viel Spaß beim Lesen!

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 2 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

3. Teil

von Norbert Wiedemann

Kann Frau Meier helfen? - 1. Teil

Paulchen war lange krank. Sein langjähriger Freund Hans hatte sich damals unendlich viele Sorgen gemacht und rechnete jeden Tag damit, dass Paule, wie er ihn auch manchmal nannte, wieder einen Rappel bekam und die Show mit dem Rotkehlchen abzog.

Da Hans selbst nicht weiterkam, hatte er bald herausgefunden, dass der spinnerte Paule und eventuell sogar er selbst fremde Hilfe in Anspruch nehmen musste. Deshalb horchte er sich tagelang mal um und fand dann bei seiner Cousine Jule, die sich meistens am Inselwall aufhielt, den scheinbar richtigen Rat. Er fand sie auf dem Pausenhof der Berufsschule, wie sie gerade krampfhaft versuchte, aus einem weggeworfenen Frühstücksbrot einen eingebackenen Kürbiskern heraus zu hacken.

"Mann, Mann, was die Schüler alles so wegwerfen, unglaublich. Aber mir soll`s recht sein, ich habe dadurch mein Auskommen", wunderte sich Jule immer, während sie um das Brot herumhüpfte, um die richtige Position herauszubekommen.

"Was willst du denn hier Hans, es ist doch noch nicht Weihnachten. Das ist aber ungewöhnlich, dass du schon in der Adventszeit hier aufkreuzt. Sonst sieht man dich das ganze Jahr nicht!".

"Nun mach mal halblang," erwiderte Hans, "wer hat dir denn in diesem heißen Sommer die besten Plätze gezeigt, wo die Kinder immer ihr Eis fallen lassen und wo man mal ungestört ein Bad nehmen konnte. Dass wir zusammen am Kanal waren, haste wohl auch schon vergessen!" "Ist ja gut, ich habe doch nur Spaß gemacht. Aber was ist denn mit dir, du bist doch sonst nicht so angriffslustig und empfindlich", versuchte Jule ihren Cousin Hans wieder auf den Teppich zu bringen.

"Ach weißt du, der Paulchen hat vor ein paar Tagen so einen komischen Rappel gehabt und behauptete er wäre ein Rotkehlchen und obendrein war er auch sonst ziemlich komisch. Hat mich angeschnauzt und rumgemeckert. Ich dachte schon, er wird nicht wieder, aber jetzt geht es einigermaßen. Von seinem Rotkehlchentrip ist er zwar wieder runter, aber verändert ist er trotzdem irgendwie. Weißt du nicht, was man da machen kann?"

Jule schaute den Hans unheilschwanger an und meinte: "Du, damit ist nicht zu spaßen, ich weiß zwar nicht, was ihm in den Kopf gekommen ist, aber da kann eigentlich nur Frau Meier helfen. Komm hoch, wir schauen mal nach, ob sie da ist. Der Prinzenpark ist doch nicht weit."

Hans sah Jule verdutzt an. "Frau Meier, wer ist die denn, nie gehört", und hetzte im Turboflug hinter Jule her, die schon über der Katherinenkirche war.

"Los, komm Hans, es wird bald dunkel. Du weißt doch, Eulen werden in der Nacht richtig munter und wenn wir Frau Meier abends beim Mäusefang stören, reagiert sie ziemlich sauer. Ich wollte auch mal am späten Abend etwas gegen meinen Husten haben, da hätte sie mich beinahe als Vorspeise verputzt. Als sie dann aber merkte, dass ich mich vor lauter Husterei nicht auf dem Ast halten konnte, hat sie es dann doch gelassen. Vielleicht hatte sie Bedenken, dass sie sich bei mir noch ansteckt!"

Jule legte noch ein paar Flügelschläge zu, so dass der kleine Hans seine liebe Mühe hatte, hinterherzukommen.

Irgendwo zwischen der Rollschuhbahn und dem Polizeisportplatz steuerte Jule eine dicke ausladende Eiche an und landete auf dem Ast vor einer Höhle.

"Bist du denn des Wahnes, so einen Affenzahn einzulegen", beschwerte sich Hans, "du schnaufst ja noch nicht mal!" "Tja, Training", antwortete Jule, "dann musst du nicht nur von der Dachrinne auf den Markt und zurück hopsen. Mach mal ab und zu ein paar Ausflüge! Dann musst du nicht schon bei einem Stadtrundflug pumpen wie ein Maikäfer".

"Dadada, da", stotterte mit einem Mal Hans und starrte in die Höhlenöffnung. "Was ist denn hier vor meiner Haustür los", schnarrte eine brummige Stimme aus dem Dunkel. "Ich dachte schon, hier ist wieder eine Schulklasse unterwegs", knurrte Frau Meier und kletterte an den Höhlenrand.

"Was gibt`s, beeilt euch, ich muss gleich meine Abendbrotrunde drehen, mir knurrt der Magen und wenn der Magen knurrt, kann ich ungemütlich werden!" Dabei blinzelte sie interessiert den kleinen Hans an, der plötzlich ein komisches Gefühl von der Schwanzspitze zum Kopf und zurück verspürte.

Jule erklärte Frau Meier in kurzen Sätzen, wie es um Paulchen stand und fragte zum Schluss: "Ja Frau Meier, wie können wir denn nun Paulchen helfen, wir machen uns große, große Sorgen".

Frau Meier dreht ihren Kopf scheinbar einmal um die eigene Achse, sodass Hans Bedenken hatte, der Kopf würde jeden Augenblick herunterfallen. Dann klapperte Frau Meier noch beängstigend mit ihren großen Augenlidern und zischte nur kurz: "Luftveränderung, viel Zuwendung, abwechslungsreiche Nahrung. So, nun haut ab, ich habe Hunger", kletterte auf den Ast vor der Höhle, breitete die Flügel aus, ließ sich fallen und segelte durch die Bäume davon.

Jule und Hans sahen sich an und jeder meinte beim anderen ein großes Fragezeichen über dem Kopf schweben zu sehen. Nach einer Schweigeminute meinte Jule nachdenklich: "Weißt du was Hänschen, wir fliegen jetzt erst mal zu euch nach Hause unter die Dachrinne. Bestimmt fällt mir auf dem Weg etwas ein".

Hat Jule die richtige Idee?

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