4. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Die Spatzen Hans und Jule haben zwar einen Ratschlag erhalten, wie sie ihrem Freund Paulchen helfen können, doch so richtig was damit anfangen können sie noch nicht. Vielleicht kann der Weihnachtsmarkt ihn auf andere Gedanken bringen?

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 3 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

4. Teil

von Norbert Wiedemann

Kann Frau Meier helfen? - 2. Teil

Es war schon stockfinster und die beiden konnten sich nur nach der erleuchteten Innenstadt orientieren. Auf dem Steinweg baumelten sanft die Lichterketten in den Bäumen am Straßenrand und der Burgplatz strahlte mit dem Weihnachtsmarkt von unten in allen Farben. Überall waren die Menschen unterwegs. "Ein Treiben wie in einem Ameisenhaufen", dachte sich Hans so. "Komisch, gerade muss ich daran denken, dass die Menschen sich immer einbilden, am Heiligen Abend könnten wir Tiere reden. So`n Quatsch, wenn die wüssten. Wir können 12 Monate im Jahr reden wie sie… und verstehen was sie sagen erst recht"!

Jule setzte weit vor ihm schon zum Landeflug unter die Dachrinne an. Kurz darauf saßen sie beide neben Paulchen, der offenbar schon geschlafen hatte.

"Wo warst du denn so lange", maulte er Hans an "und was machst du denn hier Jule? Mir war die ganze Zeit so langweilig und da bin ich wohl eingeschlafen."

Jule zwinkerte Hans zu und redete auf Paulchen ein: "Wir haben gerade den Weihnachtsmarkt überflogen. Da gibt es eine Menge zu sehen. Wollen wir da nicht mal hin"?

Paulchen zog eine sauertöpfische Miene und nörgelte nur: "Ich kann nicht, ich will nicht und außerdem ist es schon ziemlich spät. Vorhin hat die Martiniuhr siebenmal geschlagen!"

"Och Paule, komm doch mit" schaltete sich jetzt auch Hans in das Gespräch ein, "Einen Abend in der Vorweihnachtszeit kann man doch mal länger aufbleiben und schließlich hast du ja schon vorgeschlafen. Dann hast du dich beschwert, dir wäre den ganzen Tag so langweilig, also musst du was dagegen unternehmen, los komm doch mit. Ich war noch nie so richtig auf dem Weihnachtsmarkt."

Paulchen fühlte sich in die Ecke gedrängt und lenkte nach einer Weile ein: "Na gut, aber nicht so lange und nur, wenn du nicht mehr "Paule" zu mir sagst!"

Hans schluckte unmerklich und dachte so bei sich: "Immer wenn ich ihn "Paule" genannt habe, hat er früher ein bisschen gelächelt, jetzt will er seinen Kosenamen nicht mehr hören? Ich versteh es einfach nicht! Egal! Wir fliegen jetzt zum Weihnachtsmarkt und genießen die Zeit".

Jule flog voran und rief: "Wir setzten uns auf den Burglöwen, da haben wir den besten Überblick." Gesagt getan, die Drei hockten sich auf den Löwenkopf und sahen dem bunten Treiben gespannt zu.

"Schau mal Paulchen," Hans musste sich richtig zusammenreißen, um das Wort "Paule" nicht in den Schnabel zu nehmen, der da mit dem Zwirbelbart, der hat jetzt schon in der kurzen Zeit, wo wir hier zusehen, den dritten Glühwein getrunken!" "Na und", erwiderte Paulchen, "im letzten Winter war doch mal bei uns auf dem Altstadtmarkt auch ein Glühweinstand, da habe ich mal aus einem umgekippten Becher das rote Zeug probiert, das war lecker!"

"Dass ich dich aber vor den Menschenfüßen gerettet habe und ich mir den Schnabel fusselig reden musste, weil du dich unbedingt mit einer Krähe angelegt hattest, das verschweigst du lieber. Angepöbelt hast du sie. So einen komischen schwarzen Vogel hättest du noch nie gesehen und einige ziemlich unflätige Dinge hast du ihr an den Kopf geworfen, das war nicht schön!"

"Ja, ja, ich weiß ja, fand ich am nächsten Tag auch nicht toll, besonders auch meinen Brummschädel, aber lecker war das rote Zeug trotzdem!" grinste Paulchen die beiden an.

Jule und Hans tauschten vielsagend Blicke aus, zwinkerten sich wieder zu und beide meinten mit einem Mal wie aus einem Schnabel: "Komm, lasst uns um den Dom rumfliegen. Da waren wir noch nicht, vielleicht gibt es dort für uns noch ein paar Bröckchen zu holen."

Weiter zum fünften Teil

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