5. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Die Spatzen Paulchen, Hans und Jule besuchen gemeinsam den Weihnachtsmarkt in Braunschweig. Kann die Bratwurstbude Paulchen aufmuntern?

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 4 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

5. Teil

von Norbert Wiedemann

Kann Frau Meier helfen? - 3. Teil

Jule steuerte zielsicher auf eine Bratwurstbude zu, von der sie behauptete, dass es dort immer was zu holen gäbe. "Die haben hier die besten Röstzwiebeln als Beilage, einfach sagenhaft. Ich kriege dann vor lauter Blähungen die ganze Nacht kein Auge zu, aber das ist mir egal!“

Hans und Paulchen kicherten vor sich hin und stellten sich vor, wie das sich das wohl am Schlafplatz von Jule anhören würde. Paulchen prustete: "Na Jule, so wie ich dich kenne, sind deine Schlafplatzgenossen dann aber auch die ganze Nacht wach!"

Ehe Jule entrüstet darauf etwas erwidern konnte, schrie Hans mit einem Mal auf. So laut, dass sich sogar die Menschen in seiner Nähe umschauten!

"Habt ihr das gelesen! An dem Bratwurststand steht oben Rossbratwurst! Igittigitt! Wie gibt es denn sowas! So eine Schweinerei! Von dem Stand esse ich keinen Happen!" Hans war gar nicht mehr zu beruhigen.

"Nun mach mal einen Punkt und stell dich nicht so an," schnauzte Jule ihn an "Schweine werden von Menschen gegessen, Rinder, Ziegen, Schafe und neulich habe ich auch gehört, es gab sogar früher Menschen, die Spatzen gegrillt haben!"

Hans glotzte sie mit einem Würgegefühl im Magen an. "A-a-a-aber gerade Pferde! Das hätte ich nicht gedacht! Die haben doch in ihren Äpfeln so wunderschöne Haferkörner, das ist doch eine richtige Delikatesse!"

"Ja und, meinst du, das hält die Menschen davon ab, sie zu verwursten? Los kommt, wir schauen noch einmal, ob wir irgendwo noch einen runtergefallenen Bratapfel zum Abschluss finden und dann geht es ab nach Hause. Ich schlafe heute bei euch, was dagegen?" Paulchen und Hans nickten eilfertig und waren froh, den unheimlichen Pferdewurstplatz zu verlassen.

Tatsächlich konnten sie kurz darauf eine junge Menschenmutter mit ihrem Kind in der Karre beobachten, die gerade eilig auf dem Wege zur Bushaltestelle die Straße überquerte und das Kind dabei einen kleinen Rest vom roten Apfel verlor. Der hat den drei kleinen Spatzen aber mächtig geschmeckt.

"Das war aber mal ein schöner Abschluss, nun bin ich ziemlich kaputt", meinte Paulchen zwischen zwei Bissen. Die beiden anderen nickten zufrieden, blinkerten sich wieder an. In diesem Moment kam gerade der Bus auf sie zu. Das war das Startzeichen und schon flatterten sie auf und davon in Richtung Altstadtmarkt.

Unter der Dachrinne angekommen schnaufte Paulchen: "Der rote Apfel hat mir jetzt den Rest gegeben. Ich glaube, ich habe zugenommen. Macht nix, war super, dass ihr mich fast gezwungen habt, auf den Weihnachtsmarkt zu fliegen."

Jule und Hans sahen sich an und dachten beide das gleiche: "Frau Meier hatte Recht!"

Sie hörten noch, wie Paulchen zwischen seinen Flügeln schon halb im Schlaf murmelte: "Man gut, dass Jule keine Röstzwiebeln gegessen hat, Gute Nacht!"

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