8. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Paulchen führt ein aufklärendes Gespräch mit der Rotkehlchendame Frau Kehlschmidt und einer Zuhörerschar bestehend aus weißen Enten. Gibt es etwa einen Rückfall?

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 7 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

8. Teil

von Norbert Wiedemann

Gibt es einen Rückfall? - 3. Teil

Frau Kehlschmidt wippte währenddessen nervös mit dem Schwanz und fügte dann hinzu: "Herr Paulchen, die Begegnung mit Ihnen am Lessingdenkmal hat mich damals sehr betroffen gemacht und bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Offen gestanden habe ich bis dahin noch nie solche außergewöhnlichen Komplimente bekommen. Jedoch bemerkte ich nach einiger Zeit, dass es doch etwas unnormal ist, als Spatzenmann mit einer Rotkehlchenfrau zu flirten. Es war schon komisch."

"Ja, ja", nickten da einige Enten aus der Zuhörerschar, "das haben wir schon mitbekommen, als er sie hier am Ententeich angemacht und sie dann bis zum Lessingdenkmal verfolgt hat."

Mit einem Seitenblick auf Paulchen mischte sich eine weiße Ente mit schwarzem Brustfleck in das Gespräch: "Mit Verlaub gesagt, wir haben hier alle am Teich gedacht: Was ist denn mit dem Spinner los? Nebenbei gesagt kenne ich nur zu gut Unverständnis, Missachtung und die daraus hervorgehenden dummen Sprüche. Ich sehe nun mal auch nicht gerade wie eine Wildente aus und habe in dieser Hinsicht schon einiges mitgemacht!" Ein paar Enten aus der Rund sahen betreten zu Boden.

"Ja, meine Damen und Herren", übernahm Paulchen darauf krächzend mit belegter Stimme wieder das Wort, "ich kann nur immer wieder beteuern, ich habe es tatsächlich geglaubt. Ich war der festen Überzeugung ein Rotkehlchenmann zu sein. Aber dank meiner lieben Freunde Hans und seiner Cousine Jule geht es mir wieder ziemlich gut. Sie haben sich in dieser schweren Zeit rührend um mich gekümmert. Obwohl sie es mit mir sicher nicht leicht hatten. Manchmal habe ich noch lange Weile, komme dann ins Grübeln, bin dann traurig, ohne zu wissen warum. Und dann kommen mit einem Mal wieder die Zweifel. Bin ich nun ein Spatz oder ein Rotkehlchen? Aber dann stehen mir meine Freunde wieder zur Seite und es geht dann auch wieder besser."

Jule hielt es nach diesen Worten von Paulchen nicht mehr zurück. Sie flatterte in die Luft über die Zuhörer und landete genau vor seinen Füßen.

"Das hast du aber schön gesagt Paulchen. Aber du weißt doch, Hans und ich haben das doch gerne gemacht und freuen uns riesig, dass du so denkst. Nicht war Hans?"

Der hatte sich gleich neben Jule gestellt und nickte nur kräftig. Er hätte jetzt auch mit dem dicken Kloß im Hals keinen einzigen Pieps herausbekommen.

"Naat, naat, naat," rief die weiße Ente mit dem schwarzen Brustfleck, "lasst uns ein bisschen rutschen. Was die Kinder auf dem Eis können, kriegen wir schon lange hin!"

So rutschen und schlidderten die ganze Entenschar, Hans, Paulchen und Jule auf dem Eis des Ententeiches. Sie lachten und kicherten vor Vergnügen, wenn einer ausgerutschte auf den Po landete.

Es war schon lange dunkel, als unsere drei kleinen Spatzen abends unter der Dachrinne am "Haus zu den sieben Türme" eintrafen. Jule blieb mal wieder bei den beiden Freunden zum Schlafen. Fast die halbe Nacht redeten sie noch über den aufregenden Tag.

Dicht aneinandergerückt schliefen sie erschöpft ein und träumten dann von Frau Kehlschmidt, der weißen Ente mit dem schwarzen Brustfleck und von Blödmann.

Weiter zum neunten Teil.

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