9. Teil von "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" von Norbert Wiedemann

Bild von Susanne Jutzeler, suju-foto, auf Pixabay

Nach Paulchens Aussprache mit Frau Kehlschmidt, der Entenschar und seinen Freunden und nach dem winterlichen Ausklang sind wir nun gespannt, wie es mit Paulchen und Co. an den Feiertagen weitergeht.

In seiner Fortsetzungsgeschichte "Paulchen macht Sorgen. Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird" versucht Norbert Wiedemann, psychische Erkrankungen so zu thematisieren, dass sie auch für Kinder verständlich werden.

Teil 8 der Fortsetzungsgeschichte finden Sie hier.

Paulchen macht Sorgen
Wie eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

9. Teil

von Norbert Wiedemann

Heilig Abend und Silvester, 1. Teil

Die glitzernde Weihnachtszeit mit all ihrer Vorfreude, Hektik und Anspannung war fast vorbei.

Unsere drei kleinen Braunschweiger Spatzen Jule, Hans und Paulchen waren nach ihrem ersten gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuch auf den Geschmack gekommen und hatten sich am Heiligen Abend noch einmal zum Burgplatz begeben; wegen "die Atmosphäre", wie Paulchen sich auszudrücken pflegte. Er ist nun mal ein echter Braunschweiger Spatz und dann heißt das eben so! Jule und Hans hatten mehrere Versuche unternommen, ihm richtiges Deutsch beizubringen, aber nachdem sie feststellen mussten, dass er auch mir und mich verwechselt, gaben sie bald ihre Bemühungen auf. Es kostete schon genug Nerven, ihn ab und zu von seiner "Rotkehlchenmacke" abzubringen. Manchmal kam sie eben noch mal durch.

Sie hatten es sich also am 24. Dezember nach dem Weihnachtsmarkt unter der Dachrinne am "Haus der sieben Türme" gemütlich gemacht, teilten sich noch ein kleines Stückchen Weihnachtskeks, den Hans auf spektakuläre Weise unter Einsatz seines Lebens von einem Marktstand gestohlen hatte und sahen nun der "öden weihnachtslosen" Zeit entgegen.

Von der "weihnachtslosen" Zeit redete Paulchen den ganzen Heiligen Abend, sodass Jule und Hans schon das Schlimmste befürchteten. Als er wieder damit anfing, fuhr ihm Jule rigoros über den Schnabel und meinte: "Also jetzt hör aber mal auf Paulchen, Weihnachten ist nur einmal im Jahr und das nur für ein paar Tage. Es gibt auch noch andere schöne Zeiten im Jahr, z. B. ist in einer Woche Silvester, das ist doch auch was!"

Paulchen schaute Jule an, als ob er noch nie etwas von diesem letzten Tag im Jahr gehört hätte.

"Ach ja", seine Miene hellte sich wieder auf, "die Raketen sind ja immer wunderschön bunt, aber die laute Knallerei und das Gestinke geht mir auf den Keks. Möchte jemand noch das letzte Stück von dem Weihnachtskeks?"

Jule und Hans gönnten es ihm von Herzen, denn nach dem Vorfall mit dem Rotkehlchen war es mit Paulchens Appetit nicht gut bestellt und so waren sie froh, dass er langsam von selbst wieder auf sein Gewicht kam.

Die Tage bis Silvester flogen dahin und unsere drei kleinen Spatzen hatten sich vorgenommen, mal beim Nußberg vorbeizuschauen, da soll ja immer was los sein. Hatte Jule jedenfalls von ihrem Bruder Eddi gehört.

Als es schon lange dunkel war, machten sich die Drei auf den Weg. Jule hatte vorgeschlagen, nach der Jasperallee mal ein bisschen nach links zum Malerviertel zu fliegen.

"Da sollen die Menschen auf der Straße Walzer tanzen, hat mein Bruder erzählt", meinte sie aufgeregt, "das können wir doch auf dem Weg mal mitnehmen."

Von oben sahen sie auf der Dürerstraße schon bunte Lichter und hörten Walzerklänge über mehrere Lautsprecher. Eine Unmenge von Menschen tanzen auf der Straße. Fröhliches Stimmengewirr schlug ihnen entgegen, als sie sich von einer Dachrinne das Treiben anschauten.

"Ich sehe mal nach, was sich da unten tut. Vielleicht gibt`s ja auch was zu essen", rief Hans aufgekratzt, wartete keine Antwort der beiden ab und schon war er im Dämmerlicht verschwunden.

Jule und Paulchen amüsierten sich über die Menschen, die sich im Walzertakt auf der Straße bewegten und kaum noch Platz für eine schwungvolle Drehung hatten. Als sie gerade über ein Paar lachten, das sich ständig beim Tanzen auf die Füße trat und sich dementsprechend anfauchte, kam Jules Bruder Eddi atemlos angehetzt und setzte sich aufgeregt neben die beiden.

"Mensch hier seid ihr, ich habe euch schon überall gesucht. Euer Hans streitet sich unten vor einer Garage vier Häuser weiter mit einer Krähe. Meine Nußbergbande steht schon in den Startlöchern daneben. Das blöde Krähenluder kenne ich, die fackelt nicht lange. Mit der haben wir ständig Ärger!"

Weiter zum zehnten Teil.

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